Der neunte Streik 2014 bei der Lufthansa

Seit Beginn der Woche streiken die Piloten der Lufthansa erneut. Bereits zum neunten Mal in diesem Jahr führt der Tarifkonflikt zwischen der Fluglinie und der Pilotenvereinigung Cockpit deswegen zu massiven Flugausfällen. Neben der Kurzstrecke und Mittelstreckenflügen in Europa sind dieses Mal auch Flüge auf der Langstrecke und der Transport von Fracht betroffen.

Zwei Gründe für den Tarifkonflikt

Vordergründige Ursache für den Streik ist der inzwischen monatelange Streit zwischen Piloten und Airline um die Regelung zur Altersteilzeit. Derzeit sehen die Arbeitsverträge der Piloten eine Reduzierung der Arbeitszeit ab dem 55. Lebensjahr vor. In der Zeit des Frühruhestands erhalten die Piloten bisher 60 Prozent ihres Gehalts bis zum Eintritt in das reguläre Rentenalter. Die Fluglinie plant, diese Altersgrenze schrittweise auf 61 Jahre anzuheben. Hiervon wäre mehr als die Hälfte der 10.000 Piloten der Airline betroffen, die Pilotenvereinigung Cockpit lehnt diese Anhebung deswegen kategorisch ab.

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Allerdings steckt noch ein weiterer Grund hinter dem mit großer Heftigkeit geführten Arbeitskampf: Das Management der Lufthansa plant für die nahe Zukunft einen grundlegenden Wechsel der Unternehmensstrategie. Kernpunkt dieses Wandels ist die Gründung einer eigenen Billigfluglinie für den ertragreichen Sektor der Langstreckenflüge. Dies hätte für die Piloten weitreichende Folgen, müssten doch viele von ihnen zu ungünstigeren Bedingungen in die neue Gesellschaft wechseln. Das entsprechende Konzept zur Umstrukturierung wird dem Aufsichtsrat in den kommenden Tagen zur Genehmigung vorgelegt.

Mehr als 150.000 betroffene Fluggäste

Der aktuelle Streik betrifft bisher mehr als 1350 Flüge, die ersatzlos gestrichen werden mussten. Somit ist etwa die Hälfte aller Flüge im Streikzeitraum hinfällig. Dadurch erschwert sich die Reise für 150.000 Fluggäste. Flüge auf der Kurzstrecke können durch eine Bahnfahrt ersetzt werden, für Flüge auf der Langstrecke und für den Transport von Fracht ist dies in der Regel nicht möglich. Insgesamt beziffert die Lufthansa den dieses Jahr durch Streiks entstandenen Schaden auf rund 170 Millionen Euro. Bezieht man alle Tarifauseinandersetzungen des Jahres mit ein, sind bisher 2014 rund 6000 Flüge bei der Airline und ihren Tochtergesellschaften ausgefallen. Ein Ende des Konflikts ist aufgrund der vielschichtigen Konfliktstruktur bis auf weiteres nicht in Sicht. Der Vorstand der Pilotengewerkschaft, Jörg Handwerg, ist zwar zu Verhandlungen bereit, denn auch die Piloten würden, „ihren Beitrag zur gedeihlichen Entwicklung der Lufthansa leisten“. Dem stehe aber die Haltung des Vorstands entgegen, der grundlegende „Tarifstrukturen zerschlagen will“, so Handwerg.

Weihnachten sollte nicht in Gefahr sein

Reisende können allerdings entspannt in die Weihnachtsferien fliegen. Lufthansa mit Bravofly oder anderen Reisebüros zu buchen steht also nichts im Wege.

Fotoquelle: Lufthansa Bildarchiv, FRA CI/C